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Der kleine Zeitvertreib

Ohne große Vorworte: Herzlich Willkommen zu einem erfreulich ausführlich beantworteten Interview mit dem Chemnitzer Fanzine:

Kontakt: PasaKMS@web.de bzw. lenny@cfcfans.de

1. Hallihallo! Könnt Ihr es glauben? Dort draußen gibt es doch tatsächlich noch Gestalten, denen “Der kleine Zeitvertreib” gänzlich unbekannt ist. Für jene Frevler müsst ihr Euch und Euer Blättchen mal eben bitte vorstellen.
Pasa: Dobry den! Mein Name ist Pasa, ich bin 23 Jahre alt und wohnhaft in Chemnitz. Ursprünglich komme ich zwar aus der Region Rochlitz, hatte dann aber relativ früh für mich entschieden, nach Chemnitz zu ziehen. „Home is where your heart is“ – und das schlägt für diese Stadt und den bekanntesten Fußballclub aus dieser.

Lenny: Servus! Gestatten: Lenny – mein Name; 24 – mein Alter; Karl-Marx-Stadt – mein momentaner Aufenthaltsort; Grund: geisteswissenschaftliche Forschung sowie – und Pasa hat dies ja bereits mit dem Liedtitel von der schwedischen Band „The Sounds“ bestens angedeutet – die Liebe zu einem Verein.

Pasa: „Der kleine Zeitvertreib“ entstand eigentlich aus der klassischen „Eigentlich-müsste-man-mal“-Idee. Ich hab vor vielen Monden mal einen Bericht für den „Himmelsstürmer“ sowie mehrere kleine für die nicht mehr existente Seite der „Chemnitzer Emigranten“ geschrieben – meines Erachtens im Vergleich zu heute nicht wirklich lesenswert. Auch Lenny ist schreibtechnisch nicht unaktiv und ist z. B. für den Großteil der Berichte auf der Seite von „cfcfans.de“ verantwortlich. Zusammen mit dem eigentlich für Ausgabe 1 geplanten, aber erst in Ausgabe 2 dazugestoßenen BigMäc war halt einfach die Idee da, ein kleines, aber feines Heftchen auf die Welt zu bringen, welches von den diversen Erlebnissen unserer Fußballausfahrten berichtet. Und das sind ja nun doch ein paar. Die erste Ausgabe sollte zwar eigentlich schon Anfang 2008 kommen, wurde aber verschoben, so dass es dann doch erst Anfang 2009 soweit war. Klar hätte man das auch auf einer Homepage veröffentlichen können, aber wir alle drei sind Anhänger des „klassischen“ Fanzines – also der gedruckten Variante, schwarz-weiß und klassisches Design. Es ist halt immer etwas anderes – und mir persönlich ist es immer lieber –, das Geschaffene auch in den Händen halten zu können. Was natürlich nicht heißt, das ich gegen liebevoll gestaltete Seiten aus den Welten des WWW (wie z. B. Deine) bin – auch diese haben ihren Reiz und ihre Daseinsberechtigung.

Lenny: Der Gedanke, ein Zine in der Chemnitzer Fanszene zu etablieren, ist keine Neuschöpfung; bereits vor diversen Jahren hatten wir uns mit „Pasa on Tour“ schon einmal auf dieses Terrain gewagt, jedoch – vor allem aufgrund von jugendlicher Unerfahrenheit und den Grenzen, welche man in jenen Jahren deutlich spürt – legten wir dieses Projekt nach 3 Ausgaben in die Schublade zurück, welche dann Anfang 2009 letztlich wieder geöffnet wurde. Heraus kam: „Der kleine Zeitvertreib“ – eine informative und zugleich interessante Postille für Freunde des runden Leders.
Die vom Pasa an den Tag gelegte Spontaneität kam für mich zwar ein bisschen überraschend, stellte aber hinsichtlich des Schreibens keinerlei Probleme dar, weil ich – mittlerweile wieder – regelmäßig die Berichte für „cfcfans.de“ verfasse, welche dann auch ab und an bei den Machern der „CFC-Fanpage“ zu finden sind. Bezüglich des Layouts der ersten Ausgabe – und das wissen wir selbst – lässt sich festhalten, dass nicht alles gold war, was da glänzte. Freilich zogen wir daraus unsere Lehren, welche, so denke ich, in der zweiten Ausgabe entsprechend verbessert wurden und – und dieses Geheimnis lüfte ich schon zu Beginn des Interviews – in den nachfolgenden Ausgaben weiterhin verbessert wird. Ihr dürft Euch damit freuen und zugleich gespannt sein.
In der medialen Welt haben es die Bücher, egal in welcher Art, heutzutage sehr, sehr schwer, denn nur die wenigsten Menschen wissen, dass die Kultur der Menschheit nichts Ehrwürdigeres als das Buch besitzt, nichts Wunderbareres und nichts, das wichtiger wäre. Ich schließe meine einführenden Ausführungen mit: auch das geschriebene Wort hat Macht.

2. Ihr versteht Euch also als Hopping-Fanzine. Ja, Ja, das sogenannte “Groundhopping”. Da geht es um “gemachte” Stadien, Länderpunkte usw. Erklärt doch bitte mal im groben diese Sportart und die Philosophie die dahinter steht. Vielleicht auch gleich mal ein geschichtlicher Werdegang.
Pasa: Ich persönlich verstehe den „DKZ“ nicht unbedingt mal als Hopping-Zine, schließlich sind auch so ziemlich alle Spiele des Chemnitzer FC – egal ob Liga, Pokal oder Testkick – enthalten, was auch von Anfang an so gewollt war – es ist meines Erachtens einfach ein Fußball-Zine. Allerdings ist es nun einmal auch Fakt, dass der Großteil der Berichte von Spielen ohne CFC-Beteiligung handelt, so dass der ein oder andere sicherlich auch die Beschreibung als „Hopping-Zine“ als gerechtfertigt ansieht.

Groundhopping ist etwas, dass jeder aus unterschiedlichem Antrieb macht; wobei natürlich die Reiselust und das Interesse an dem Unbekannten immer da sein sollten. Im Großen und Ganzen geht es darum, so viele verschiedene Stadien zu besuchen, um diese auf seinem Groundkonto zu verbuchen. Dabei gibt es in der einfachen Variante Ground- und Länderpunkte. Groundpunkte gibt es bei jedem ersten Besuch eines Stadions (Voraussetzung ist natürlich ein Spiel und MINDESTENS 45 Minuten Anwesenheit – ich persönlich bin aber auch eher der Freund einer kompletten Anwesenheit), der zweite oder dritte Besuch gibt keine Punkte. Länderpunkte gibt es naturgemäß beim ersten Spiel in einem Land, danach auch nicht mehr. Der ein oder andere entscheidet dann auch noch zwischen Kontinentalpunkten oder anderen Späßen. Angefangen mit dem Groundhopping haben die Engländer in den 70ern, Ende der 80er fanden auch immer mehr Deutsche den Gefallen an Reisen durch Deutschland bzw. Europa. Die WM 1990 in Italien sorgte noch mal für einen kleinen Boom – Italien wurde für lange Zeit das populärste Reiseland diverser Groundhopper. So schwappte übrigens auch die Ultra-Welle nach Deutschland.

Lenny: „Der kleine Zeitvertreib“ ist ein Potpourri aus Fußballspielen jeglicher Couleur, wobei – und anders kann es gar nicht sein – der eigene Verein klar im Fokus steht. Dazwischen – und das bildet sozusagen den Reiz an der Geschichte – tummeln sich Spiele andere Mannschaften, in anderen Ligen, in anderen Ländern. Folglich – und das hat Pasa schon richtig konstatiert – sind wir, weil wir beide Seiten, sowohl die vereinsinterne als auch die externe, miteinander kombinieren, ein klassisches Fußball-Zine.
Zum vielseitigen Thema „Groundhopping“ nur so viel: Jeder Mensch hat seine Passion, seine Leidenschaft, seine Sehnsucht – wir wählten halt diese.

Slovan Bratislava - Zrinjski Mostar (Champions League-Qualifikation): Choreo der Heimfans

3. Wie, wann und warum wurdet Ihr mit dem Hopping-Fieber angesteckt?
Pasa: Auch hier läuft es ganz klassisch: Als Kind ab und zu mal zu diversen anderen sportlichen Ereignissen mitgenommen (Als 10-jähriger war der Besuch des Kicks Bayern-Dortmund im Olympiastadion das höchste für mich) – und mit der Zeit beim Club paar Leute über andere Leute kennengelernt und irgendwann war es dann soweit: die erste Tour stand an. Eine Ausfahrt nach Tschechien war die erste bewusst als Hopping wahrgenommene Fahrt; und zu sehen bekam man die Kicks Bohemians Praha-Marila Pribram und Sparta Praha-Slovan Liberec. Das Interesse war geweckt und so ging es dann eben immer weiter.

Lenny: Wer vom Fieber spricht, der kommt zwangsläufig nicht um den Vorwurf herum, dass es sich um eine Krankheit handeln muss. Allerdings ist „Groundhopping“ alles andere als eine Unpässlichkeit, sondern – im Gegenteil – eine gesunde Abwechslung vom spröden Alltag des Lebens. Augustinus Aurelius sagte einst: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“
Aber – und diese Frage ist berechtigt –: Wie kommt man dazu? Die Antwort, ich fasse mich kurz und bündig, ist recht simpel gestrickt: der Papa nimmt einen an die Hand – und dann mit ins Fussballstadion. Dieser Prozess wiederholt sich mehrere Mal, wodurch der Anziehungskraft geweckt wird. Dann will man, getrieben von der Neugier, einen Blick über den – eigenen – Tellerrand hinaus werfen, man sieht sich in anderen Gefilden um, und merkt, dass ein immer größer werdendes Interesse entsteht, welches dann in aller Regelmäßig gestillt werden möchte.

4. Im Vorwort Eurer ersten Ausgabe bemängelt Ihr den geringen Hopping Nachwuchs in Chemnitz. Aber geht es nicht beim “Fansein” darum, so viel wie möglich für den eigenen Verein zu geben, als zu Spielen anderer Mannschaften zu fahren?
Pasa: Das hat sich zumindest ein wenig gebessert, da in den letzten Monaten doch einzelne Leute aus verschiedenen Gruppen Gefallen am Hoppen gefunden haben. Aber um auf Deine Frage zurückzukommen: Natürlich ist die oberste Aufgabe als „Fan“ immer noch, so viel wie möglich für den Verein zu geben. Das eine schließt das andere aber auch nicht aus. Ein Grundsatz für mich ist z. B., dass Spiele des Clubs IMMER vorgehen, zumindest solange es Pflichtspiele sind. Das ein oder andere Testspiel wird schon mal ignoriert, aber das ist, denke ich, zu verschmerzen. Was halt schade ist, dass der Großteil der Leute nur schwer für unterklassige Kicks zu begeistern ist, dann aber bei großen Dingern auf der Matte steht. Aber gut, das war schon immer so und wird wohl auch immer so sein. Allerdings hat eben auch der unterklassige Fußball seinen Reiz, so stehen in Tschechien z. B., vor allem in den unteren Ligen, richtig geile Stadien, die noch nach Stadion aussehen und ihren eigenen Charme haben. Aber auch die „großen“ Spiele sind wichtig, schließlich ist, wie bereits erwähnt, durch den Blick über den Tellerrand auch die Ultra-Welle nach Deutschland gekommen. So kann man auch mal schauen, wie die Stimmung woanders ist, wie es woanders läuft usw.; und vielleicht mal zu schauen, was man bei uns auch machen kann bzw. wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Man sieht halt auch mal, dass die immer Ach-so-tolle-Stimmung, die in deutschen Stadien „herrscht“, doch nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Lenny: Selbstverständlich schenkt man dem eigenen Verein die absolute und zugleich uneingeschränkte Priorität, zumindest sollte man versuchen, so viel wie möglich Pflichtspiele zu besuchen und das Groundhopping-Vergnügen hinten anzustellen.
Bei Testspielen bzw. – und die sind den meisten ein viel größeres Dorn im Auge – Hallenturnieren trennt sich, aus schon oft zitierten Gründen, die Spreu vom Weizen. Die wenigsten sind für die, ich nenne es: die Bedeutungslosigkeit, um den ganzen an dieser Stelle mehr Ausdruck zu verleihen, nicht zu gewinnen. Ich für meinen Teil hingegen sehe darin eine gesunden Abwechslung, wobei es mir vordergründig darum geht, zu sehen, wie die Mannschaft funktioniert, was die Neuzugänge bzw. Probespieler leisten, leisten können, wie die mögliche Perspektive sich entwickeln wird – als regelmäßiger Schreiber von Berichten ist man ganz einfach darauf angewiesen.

Saar 05 Saarbrücken II - DJK Püttling II (Kreisliga A Saarbrücken): Nebenplatz vom Stadion Kieselhumes - schönes Ding

5. Und in Heft Nummero Zwei besprecht Ihr die Besuche von knapp 150 Spielen!!! Ihr müsst ja nur auf Achse sein! Was sagen eigentlich Eure Frauen, Arbeitgeber und nicht zuletzt Eure Geldbörsen dazu?
Pasa: Na ja, das ist halt immer der Spagat. Wie es weitergeht, wird die Zeit zeigen, sonst kann da niemand was dazu sagen. 2009 waren es insgesamt 183 Spiele für mich, also im Durchschnitt aller zwei Tage ein Spiel. Ob das haltbar ist – ich bringe die Zeit wieder ins Spiel. Mein Frauchen kennt das ganze eigentlich gar nicht anders und akzeptiert es, wofür ich ihr auch mehr als dankbar bin. Das Problem Arbeitgeber hatte ich in den letzten 2,3 Jahren zugegebenermaßen eher selten, aber zumindest in den 9 Monaten Zivildienst war das auch kein Problem, da sich das ganze eh zu 90% am Wochenende abspielt. Und die paar Spiele, die letztes Jahr unter der Woche gesehen wurden, größtenteils war das sogar der Club, konnten mit Urlaub oder dem Absetzen der Stunden gut gemeistert werden. Wie es eventuell woanders aussieht – alle guten Dinge sind drei –: die Zeit wird es zeigen. Und meine Geldbörse bzw. mein Konto hat mich schon öfters mal angeschnauzt, was ich eigentlich mache. Man muss halt versuchen zu sparen, wo man kann, auch wenn das manchmal schwer fällt bzw. gar nicht so leicht ist.

Lenny: Stillstand beutet Rückschritt. Langeweile langweilt. Wir leben alle bekanntlich nur einmal – und die sich förmlich anbietenden Freiheiten muss man nutzen, konsequent nutzen. Der Weg ist dabei das Ziel. Es ist sicherlich nicht immer möglich – und selbst bei mir tritt dies auf –, alle Verpflichtungen so zu koordinieren, dass man alles unter ein und denselben Hut vereinen kann. Wer auf mehreren Hochzeiten tanzt – Studium, Arbeit, Liebe –, kennt diese Gewissenbisse. Wo sich aber ein ehrgeiziger Wille befindet, zeigt sich zumeist auch ein entsprechender Weg, welcher dann auf jeden Fall beschritten werden darf.
Auf so viele Spiele wie Pasa schaffe ich es beweiten nicht, was daran liegen könnte, dass bei mir das Fieber – noch – nicht so hoch ist. Im Schnitt sehe ich an die 80 Begegnungen im Jahr; vorwiegend Begegnung mit himmelblauen Farben. Ein weiterer Grund könnte zudem sein, dass ich – wenn man Groundhopper in Kategorien stecken darf – ein „nobler“ Punktesammler bin, der gezielt auswählt. Unterklassige Kicks bildet die Ausnahme, sind folglich – und das im Höchstfall – nur Lückenfüller.
Zum letzten Punkt: ich habe gelernt, nicht über Geld in der Öffentlichkeit zu sprechen.

6. Trotz der Fülle an Informationen ist das Zine mit 1,50€ mehr als erschwinglich. Trotzdem müsst Ihr ja eure Unkosten reinbekommen. Wie hoch waren bis jetzt die Auflagen und wird “Der kleine Zeitvertrieb” auch außerhalb der Chemnitzer Fanszene im größeren Stil angeboten?
Lenny: Am Anfang paarte sich die Bescheidenheit mit der Skepsis. Da wir nicht abschätzen konnten, wie groß die Resonanz letztlich ausfallen wird, wurden erst einmal 50 Exemplare gedruckt, welche dann aber recht zügig vergriffen waren. Im Anschluss wurden insgesamt weitere 65 Stück nachbestellt, von denen nur noch eine Hand voll übrig geblieben sind. Bei der zweiten Ausgabe wussten wir dann folglich in etwa, wie viel Fußball-Durst gestillt werden muss. Über 150 Exemplare sind vorwiegend an den Mann, weniger an die Frau, gegangen. Für die dritte Auflage wird diese Stückzahl beibehalten – und auch an der Preisschraube wird unserseits nicht gedreht: Die Einnahmen decken einzig und allein unsere Ausgaben.
„Der kleine Zeitvertreib“ ist – und diese Entwicklung hätte ich in dieser Form, noch dazu in so einem kurzen Zeitraum, nicht für möglich gehalten – mittlerweile schon über die sächsischen Landesgrenzen hinaus gewandert. Neben den eigenen Leuten und den Freunden aus Plauen und Regensburg bietet sogar der NOFV-Shop unser Heft an. Erste positive Reaktionen aus Wuppertal und Hamburg trudelten bereits ein.
Zum Schluss noch ein zügiger Blick in die Glaskugel: die Vielzahl der Leser, die hoffentlich weiterhin Gefallen an unseren Worten und Erlebnissen finden und uns ihre Treue schenken, ruft Druck hervor, dem wir uns stellen. Menschen wachsen bekanntlich mit ihren Aufgaben – wir bleiben am Ball.

Racing Straßbourg - Olympique Lyon (Coupe de France): Nachwuchshool :-)

7. Wie waren denn die Reaktionen auf die ersten beiden Ausgaben? Eben auch jenseits von Karl Marx Stadt.
Pasa: Hmm, die Reaktionen waren eigentlich im Großen und Ganzen positiv. Gut, die kleine Schriftart wurde oftmals kritisiert, aber das hat sich ja in Ausgabe 2 etwas gebessert. Man muss halt immer bedenken, dass bei der Anzahl von Spielen und dementsprechend auch Wörtern auch eine gewisse Seitenanzahl zusammen kommt. Es ist ein einfaches System: größerer Schrift -> mehr Seiten -> mehr Kosten -> höherer Preis. Und ein Ziel war auch immer, das Heft zu einem niedrigen Preis anzubieten. Jenseits von Karl-Marx-Stadt kam ab und zu was, hauptsächlich aus der Ecke von den Leuten, die man kennt (in meinem Falle eben Regensburg). Zwei, drei E-Mails kamen, die waren aber auch voll des Lobes. Alles in allem scheint das Konzept zu passen.

Lenny: Kritiken sind niemals fehl am Platz, sondern in erster Linie immer lieb gemeinte Hinweise, die der Verbesserung dienen. Wir nehmen an – und setzen das um, was sich lohnt, umzusetzen.

8. Auf Euren wochenendlichen Touren sind euch sicher schon unendliche Geschichten, Unglaublichkeiten und Kuriositäten begegnet. Was ist Eure Top-Story bis jetzt gewesen?
Pasa: Klingt diplomatisch, ist aber so: Die Top-Story gibt es nicht. Es gab viele kleine Geschichten, die es verdient hätten, hier erwähnt zu werden – das sprengt aber den Rahmen. Es sind auch oftmals die kleinen Dinge, die begeistern und für ein Lächeln im Gesicht sorgen. Ansonsten könnte ihr ja auch alles im Heft nachlesen ;-)

Lenny: Jeder Augenblick ist kostbar – und im Grunde genommen einmalig. Eine „Top-Story“ gibt es definitiv nicht. Jedes Spiel, selbst eines in der Kreisklasse, hat seine eigene Geschichte. Und das ist gerade das spannende; man weiß nie, was passieren wird. Man lebt förmlich für den Moment, glücklich ist, wer ihn erkennt.

Chrobry Nowogrodziec - Nysa Zgorzelec (6.Liga Polen): Gästeblock :-)

9. Hopper sind ja nicht überall willkommen. In welchen Gegenden Deutschlands, Europa oder gar der Welt sind Hopping-Fans willkommen und wo eher unerwünscht? Und welche Erfahrungen habt Ihr persönlich dahingehend gemacht bzw. machen müssen?
Pasa: Ach, so würde ich das auch nicht sagen. Es gab natürlich auch schon Spiele, wo es kleinere Probleme gab, ob das nun bei Karlsruhe-Frankfurt war (wobei wir da wohl von Karlsruher Seite für UF-Freunde aus Leipzig gehalten wurden) oder in Sosnowiec, als man von einer 2-Meter-Kante gefragt wurde, woher man kommt und was man hier macht, währenddessen sein vollgekokster oder besoffener Kumpel dahinter (ebenfalls 2 Meter groß und breit – das typisch polnische Modul eben) was von „Scheiß Deutschen“ grölt. Vor allem im Ausland gilt es, sich unauffällig zu verhalten, in Notfällen auch mal die deutsche Sprache einzustellen und eben nicht den „großkotzigen Deutschen“ raushängen zu lassen. Fanblöcke sind im Normalfall eh tabu, schließlich könnte ich es auch nicht ab, wenn irgendeine unbekannte Nase bei uns im Block 6 herumspringt und nicht mitmacht bzw. vielleicht um das Material schleicht. Gefragt wurde man im Ausland schon öfters – die Antwort, dass man nur wegen dem Spiel und dem Verein bzw. seiner Szene hier sei, stellt die meisten dann aber zufrieden bzw. freut sie sogar.
Von wirklichen Problemen von Hoppern in Stadien habe ich so kaum etwas gehört, was auch daran liegt, das die meisten eben aufpassen. Das sollte man z. B. in Polen bei so mancher aus geschichtlichen Gründen deutschfeindlichen Szene (z.B. Polonia Bytom oder Odra Opole) auch tun. Die ganzen Dinger wurden mir von diversen erfahrenen Leuten, mit denen man unterwegs war, von Anfang an beigebracht und so musste ich bisher eigentlich keine wirklich heikle Situation überstehen.

10. “Hier ist noch Fußball PUR!” Nach Euren vielen Fahrten: Auf welche Stadien, Vereine, Szenen würdet Ihr sagen, trifft genau dieser Satz zu?
Pasa: Auch das kann man so direkt eigentlich nicht beantworten – vor allem da es noch viel zu viel gibt, dass man noch nicht gesehen hat und noch sehen will. Geile Stadien findet man überall; ob nun in Tschechien, Polen, Deutschland oder sonst irgendwo. Allerdings hat der Ostblock noch einige alte Hütten zu bieten, die man hier nicht so findet. Hervorheben möchte ich da jetzt keins, denn da gibt es echt zu viele. Und sonst? Gut, manchmal reicht die Atmosphäre vor dem Spiel, um es als „Fussball pur“ zu bezeichnen. So hat mir z. B. Dortmund gut gefallen, dort war einfach eine besondere Atmosphäre in der Luft, man hat gemerkt, dass die Leute heiß auf das Spiel und ihren Verein sind. Die schlechte Stimmung während des Spiels war wiederum etwas, dass die Einschätzung nach unten trieb. Highlights gab es einige – ein paar Beispiele: Karlsruhe-Frankfurt, Ruch Chorzow-Gornik Zarbze, Regensburg-Burghausen, Horsens-FC Kopenhagen sowie die kleine Europapokal-Ostblock-Tour Mitte des Jahres. Manchmal reicht aber auch ein geiles Spiel aus, um zumindest am Prädikat „Fußball pur“ zu kratzen. So war zum Beispiel das Relegationsspiel um den Aufstieg in der Thüringenliga zwischen Zeulenroda und Veilsdorf sportlich so spannend, dass man voller Faszination dabei war. Aber wie gesagt: „Fußball pur“ – das findet man wohl leider nur noch stückchenweise...

1.FC Schweinfurt 05 - TSV Rain/Lech (Bayernliga): Flutlichtmast, ich finde schönes Bild

11. Und wo steht nach Eurer Meinung die Chemnitzer Szene im deutschen / europäischen Vergleich?
Pasa: Und schon wieder kann ich Dir leider keine direkte Antwort geben, da jede Szene unterschiedlich aufgebaut ist, unterschiedliche Vorraussetzungen hat und von daher ein Vergleich eigentlich unmöglich ist. Ich sag es mal so: Die Chemnitzer Szene kann, wenn sie will, richtig geile Auftritte abliefern. Nur leider passiert das meiner Meinung nach viel zu wenig.

12. Inwieweit seid Ihr überhaupt in die Fangemeinschaft des Chemnitzer FC eingebunden und dort aktiv?
Pasa: Ich persönlich bin Mitglied bei den „Ultras Chemnitz 1999“, habe dort meine gruppeninternen Aufgaben und bin dazu Trommler im Block 6. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die meisten Leute, die irgendwie in der Chemnitzer Fanszene involviert sind, mich kennen dürften. So groß ist die CFC-Szene nun auch nicht und untereinander kennt man sich natürlich.

Lenny: Ich bin Autor und Fotograf beim „Team cfcfans.de“, welches die Gruppe der „Chemnitzer Emigranten“ repräsentiert; somit ein Teil der aktiven Szene. Man dürfte mich kennen.

13. Wie sieht für Euch ein optimaler Fußballtag aus?
Pasa: Junge, stell’ mal Fragen, die man direkt beantworten kann! ;-)
Spaß beiseite. Ein perfekter Fußballtag? Ich stelle mal drei Varianten hin: Wir gehen zum Chemnitzer FC, das Spiel läuft super, der Club gewinnt locker und die Stimmung ist gut. Das reicht schon. Beim Hoppen gibt es zwei Varianten: Ein schöner Tag, drei oder vier Spiele in jeweils schicken Stadien, gutes Essen, paar Bier und nette Leute, mit denen man unterwegs ist. Auch das kann ein optimaler Tag sein. Für die dritte Variante nehme ich als Beispiel mal das Derby zwischen Chorzow und Zarbze: 40.000 Zuschauer, 7.500 Gäste, etwa 400-500 Bengalen im gesamten Spiel, schicke Choreos und eine sensationelle Stimmung. Optimal. :-)

Lenny: Gibt es den „perfekten Fußballtag“ überhaupt? Wer nach Perfektionismus strebt, der befindet sich auf einer Reise, die niemals ein Ende nehmen wird. Ich nenne es: Irrweg. Ich vertrete das Credo, das all das, was man tut, einem Spaß und Freude bereiten muss. Jeder pflegt dabei – getreu dem Motto: Geschmäcker sind verschieden – seinen ganz eigenen Maßstab. In der himmelblauen Fussballwelt brauche ich: einen Sieg & gute Stimmung. Beim Hoppen wünsche ich mir: mindestens ein 1:1-Unentschieden sowie akustische und optischen Akzente. Und bei beiden mit dabei: leckere Speisen, meistens die Standard-Bratwurst, und kühle Blonde.

Ruch Chorzow - Gornik Zarbze (1.Liga Polen): eine von zwei Pyroshows der Gäste

14. Fahrt ihr auch zur Nationalmannschaft? Wenn „Nein“, dann warum nicht und wenn „Ja“, welchen Stellenwert haben Verein für dich?
Pasa: Ich fahre nicht zu den Länderspielen. Der Grund ist ganz einfach: Für mich ist der DFB ein gewisses Feindbild, schließlich ist diese Bande für viele Dinge mehr oder weniger direkt verantwortlich (Stadionverbote, Repression, Kommerzialisierung), die uns als aktiven Fans das Leben schwer machen. Und die Nationalmannschaft ist nun einmal die Auswahl des DFB. Ich kann auf der einen Seite nicht den DFB hassen und deren „Angestellte“ (Was anderes ist es für mich nicht, wenn man z.B. das Geschacher um die Prämien vor jedem großen Turnier sieht) unterstützen. Dazu ist das Publikum bei Länderspielen meiner Meinung nach noch schlimmer als bei Ligaspielen. Sinnloses Partyvolk, die sich ihre Meinung von „BILD“ und Co. diktieren lassen. Leute, die kommen und gehen und ihre Unterstützung vom Erfolg abhängig machen. Der Großteil der Leute sind in meinen Augen einfach Kunden, keine Fans. Allerdings weiß ich auch, dass es einen kleinen Teil gibt, auch hier in Chemnitz, der regelmäßig zur DFB-Elf fährt und nicht in dieses Schema passt. Ich habe Respekt vor den Leuten und verurteile bestimmt niemanden, der zu Länderspielen fährt. Wenn bei DFB-Kicks mehr Leute dieser Art wären – ich wäre vielleicht auch mal dabei. Aber so wie jetzt? Nein.

Lenny: Nein, noch kein A-Länderspiel besucht. Einfache Begründung: hat sich bis dato noch nicht angeboten. Aufgeschoben ist aber niemals aufgehoben; was nicht ist, kann noch werden.

15. Findet Ihr, Rivalitäten sollten bei Länderspielen bestehen bleiben, oder wäre es nicht besser, das Kriegsbeil dann eher zu begraben?
Pasa: Da mich Länderspiele nicht interessieren, kann ich dir darauf leider keine Antwort geben.

Lenny: Kurz und knapp: Rivalitäten sollten bei Länderspielen keinen Nährboden finden.

16. Zum Feierabend das beliebte Schnellantwort Spielchen:
a) Lieblingsspieler
Pasa: Ein Unikat war Paul Gascoigne! Mario Basler war aber auch immer geil :-)
Lenny: Der Star ist die Mannschaft.
b) 1. Bundesliga
Pasa: Muss auch mal komplettiert werden :-). Im Stadion leider Heimat des Kommerzes, überschwemmt von Erfolgsfans. Schade, es gibt da durchaus schöne Stadien und fähige Szenen.
Lenny: Eine Welt, in der ich mich auf Dauer nicht wohlfühlen könnte.
c) Schlagermusik
Pasa: Mit 3,6 Promille bin ich der größte Schunkler überhaupt. Ansonsten eher weniger in meinem CD-Spieler zu finden.
Lenny: Was findet Helene Fischer nur an Florian Silbereisen?
d) Choreographien
Pasa: Wichtiges Mittel des Fanblocks, um etwas auszudrücken. Sei es nun Verehrung des Vereins, Aufheizen der Mannschaft oder anderer Gründe. Es steckt bekanntlich immer sehr viel Arbeit und Geld dahinter, ich hoffe, mehr Leute – nicht nur bei uns – wüssten das zu schätzen. Schicke Choreos sind was feines.
Lenny: Motivierender Prolog für die Mannschaft und den Verein, hinter dem kreative Menschen stehen und die deren kostbarstes Gut, nämlich die unerbittlich in die Zukunft rennende Zeit, dafür opfern.
e) Heysel 1985
Pasa: Hm, da war ich noch nicht einmal geboren, also kann ich leider nicht viel dazu sagen. War allerdings wohl ein kleines Puzzleteil beim Untergang der englischen Fankultur. Und wichtig: Beim Fussball sollte vieles passieren – Tote sollte es keine geben.
Lenny: In meinem Geburtsjahr ereignete sich die schlimmste Katastrophe, welche die Fußball-Welt je gesehen hat. Todesopfer darf es in keinem Sport geben.
f) Winterpause
Pasa: In Deutschland eine sinnlose Zeit, die von einem zwangsbehafteten Moralisten-Fest und einem Tag unterbrochen wird, an dem Pyrotechnik, die ja sonst verteufelt und der Untergang des Abendlandes ist, massenhaft in die Luft geballert wird. Zum Glück spielen manche Ligen auch an diesen Tagen :-)
Lenny: Eine bedeutungslose Zeit, in welcher Testspiele und Hallenveranstaltung zur Überbrückung angeboten werden. Mittlerweile in Deutschland kürzer geworden.
g) Gasmasken :-)
Pasa: Wenn Schumi furzt, hätte ich mir manchmal eine gewünscht. Schneeberg war schick ;-)
Lenny: In gewissen Situationen darf man schweigen. Ich mache dies an dieser Stelle.
h) Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit
Pasa: Mir fallen da nur 4 Buchstaben ein – welche das sind dürfte klar sein.
Lenny: 1.3.1.2.

Mit 50% der "DKZ" Redaktion

17. Wollt Ihr mir eventuell noch eine Frage stellen?
Pasa: Frage nicht unbedingt, eher Lob. Wie bereits am Anfang des Interviews gesagt – Respekt vor jedem, der in seiner Freizeit Arbeit und Geld für die Erstellung bzw. Darstellung seiner Leidenschaft opfert. Deine Seite gefällt mir sehr gut und ich empfehle jedem, regelmäßig drauf zu schauen. Ich denke, wir werden uns sicherlich noch öfters auf den Fußballplätzen der Republik sehen :-) Und Danke für die Möglichkeit, unsere Gedanken hier öffentlich machen zu können.

18. Besten Dank für die Antworten. Die letzten Worte überlasse ich Euch:
Pasa: Fahrt durch die Welt, blickt über den Tellerrand und macht euch euer eigenes Bild – schon Samuel Johnson sagte einst: „Der Sinn des Reisens besteht darin, die Vorstellungen mit der Wirklichkeit auszugleichen, und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten, sie so zu sehen, wie sie sind.“ Gebt alles für den CFC und unsere wunderschöne Heimatstadt Chemnitz. Kämpft um euren Fußball und sorgt dafür, dass es niemals der Fußball sein wird, den sich Verbände und Presse wünschen. Die Fans sind der Fußball – ohne uns wäre Fußball nicht dasselbe.

Lenny: „Das Gestern ist fort – das Morgen nicht da. Leb' also heute!“

EIN RIESEN DANKE AN EUCH BEIDE FÜR DIE PRIMA ANTWORTEN UND DIE TOLLEN BILDER!!!


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