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Slowakei : Deutschland (2:0) am 03.09.2005

Freundschaftsspiel in Bratislava

Wie das eben so ist. Man verbringt in der Woche zwei Tage in der Kneipe und kommt auf die spontane Idee zum Länderspiel in die Slowakei zu fahren. Etliche Bier und SMS später war die Sache fest und man freute sich auf einen leckeren Fußballausflug in östliche Gefilde.
Am Morgen des besagten Tages ging es dann um 6 Uhr in der Früh auf die Reise. Euer Erzähler hatte die Nacht nicht mit Nebensächlichkeiten wie Schlaf vergeudet, und holte selbigen am Anfang der Fahrt so gut es irgendwie ging nach. Denn der Rest unserer Gruppe schlürfte schon bei angeregten Gesprächen das ein oder andere Getränk. Wobei Person H. überhaupt keine Gefangnen machte und bei Prag schon mit nem Barhocker in der Hand in einer Tanke stand. Zwar war die Umrechnung von Euro in Kronen etwas fragwürdig von statten gegangen, doch die Gemüter beruhigten sich wieder. Man hatte ja noch was vor!
Im übrigen gingen beide Grenzübertritte ohne jegliche Probleme über die Bühne. Keine unbedingte Selbstverständlichkeit, denn einige waren sich der Bedeutung der Begriffe Stadionverbot und Kartei "Gewalttäter Sport" durchaus bewußt.
Gegen Mittag erreichten wir auf alle Fälle Pressburg und nach relativ kurzer Sucherei auch das Stadion. Nun war Karten beschaffen angesagt, denn Tickets für den Deutschen Block gab es nur in Deutschland per Vorbestellung für ausgesuchte „Fans“ die ins Bild des DFB passten. Und in Zusammenarbeit deutscher und slowakischer Behörden hieß das fanfeindliche Motto: „Keine Karten an Deutsche“. Der mittlerweile noch mehr abgefüllte Herr H. gab sich deswegen erst als Slowake aus und wenig später als Pole. Allerdings am selben, und auch einzigen Kassenhäuschen! Damit hatte sich diese Taktik als äußert unbrauchbar erwiesen. Was nun? Ganz einfach! Wir schnappten uns einen einheimischen Schluckspecht der um diese Zeit um das Stadion schlich und verdonnerten ihn dazu auf Provision für uns Karten zu holen. Wir drückten ihn also umgerechnet 20€ von jedem in die Hand und schickten ihn los. Damit sich unser Patient allerdings nicht mit der Kohle aus dem Staub machen konnte überwachten wir seinen Einkauf auf beste FBI Art und Weise. Hinter jedem Baum oder Auto einer von uns. Jeder schön unauffällig, keine Fluchtmöglichkeit. Hahaha! Einfach nur Klasse. Aber der Typ machte seine Arbeit vorzüglich und beschaffte uns was wir wollten. Dafür bekam er Geld für sein nächstes Bier und wir machten uns auf die Suche nach ner Kneipe.
Nach einem kleinen deftigen Mittagsschmaus, passierte nur noch flüssiges den Kehlkopf und man laberte sich langsam in Laune. So inspizierte zum Beispiel unser Fahrer besonders genau das slowakische Hartgeld. Mit der verblüffenden Behauptung das eine der Münzen doch tatsächlich Jesus am Kreuz zeigt, aber Jojo spielend!!! Auf einer anderen erkannte er doch tatsächlich die Jungfrau Maria beim Verrichten ihrer Notdurft, allerdings ohne Arme! Und was denkt sie demzufolge gerade? Ganz einfach: „Wie wisch ich mir jetzt den Arsch ab?“ Herrlich!
Die Sonne schien prächtig und mit der Zeit trudelten auch immer mehr Deutsche ein. Und bis auf paar Kutten und Mitglieder des „Fanclubs Nationalmannschaft“ ganz ordentliche Leute. Keine Kommerz oder Medienspektakel Spinner. Man unterhielt sich mit Leuten aus Magdeburg, Berlin oder Bielefeld und erfuhr das es mittlerweile ein leichtes sei eine Karte als Deutscher zu bekommen. Tja, aufgrund der vielen angereisten „Bösewichte“ ohne Ticket, war wohl so manchem Slowake das schnelle Geld wichtiger als das offizielle Verkaufsverbot.
Die Zeit verging und irgendwann machten wir uns dann ins Stadion. Unsere Plätze lagen auf der Gegengeraden, direkt unter dem provisorischen Studio des ZDF, in dem man auch schon Kerner und Beckenbauer erspähte. Olli Bierhoff spazierte auch an uns vorbei, was aber eigentlich auch egal war. Denn außer seinem Tor in Wembley, was uns zum Europameister 96 machte, habe ich nicht sonderlich viel für den Schauhasen übrig. Genau wie für die anderen zwei Witzbolde! Na egal!
Neben dem Eintrittspreis war auch der Preis für Bier der Hammer. 1€ für nen halben Liter. Und zwar richtiges Bier! Kein Alkverbot bei Länderspielen wie hierzulande! Nachdem man sich an den heißen slowakischen Cheerleaders sattgesehen hatte und sich Herr H. blitzartig entleerte, entdecke wir unseren damaligen Innenminister Otto Schily auf dem Oberrang links über uns. „Otto, wir sind trotzdem hier!“ schrie man (in Anspielung darauf das solche wie wir ja gar keine Karte hätten bekommen sollen). Allerdings begriff er das nicht (noch nicht) und winkte staatsmännisch in die Kamera. Ohne Worte, aber nen Schnappschuß wert.
Zu Beginn des Spiels zeigten die Slowaken eine Bengalo Choreo und auch im deutschen Block rauchte es zum ersten Mal. Optisch, nicht physisch! Die Schlachtgesänge der Landsleute hielt es uns noch mal vor Augen. Wir sitzen falsch! Schließlich unternahm ich mit dem Jüngsten von uns einen Versuch in den Auswärtsblock zu kommen. Und der Kleine stellte sich überaus geschickt an. Am Tor angekommen erzählte er dem deutsch sprechenden Ordner dass wir gerade von Slowaken was auf die Fresse bekommen hatten und die Polizei uns gesagt hätte wir sollten in den deutschen Block. Ruckzuck ging das Tor auf und wir waren drin. 1A!
Ui, ui, ui….da war nen lustiger Haufen am Start. Fast keine Kutten, der Rest trinkfreudige Fans und eine erhebliche Anzahl von C – Leuten aus dem ganzen Lande. Man lief auch dem ein oder anderen Bekannten über den Weg und irgendwie war das Spiel uninteressant geworden. Kein Wunder bei der dargebotenen Leistung! Denn schon nach 38. Minuten stand es 2:0 für die Gastgeber, gleichzeitig auch der Endstand. Null Durchsetzungsvermögen – einfach eine enttäuschende Vorstellung!
Der Mob ließ sich die Stimmung trotzdem nicht verderben und gab altbekannte Chöre, wiederholt Mexico von den Onkelz und so manch politisch unkorrektes Liedchen zum Besten. Und mit „Otto, wir sind trotzdem hier!“ dürfte nun Schily begriffen haben was gemeint war.
Der Schlusspfiff ertönte und die Ansage das alle deutschen Fans noch 20 Minuten in ihrem Block zu verweilen haben. Im Eingansbereich ging der erste Papierkorb in Flammen auf und ein Gitterzaun wurde gleich aus der Fassung getreten. Zwar war der Weg in die Stadt jetzt frei, aber die slowakischen Sheriffs hatten jetzt die Faxen dicke. In voller Ausrüstung gings knüppelschwingend zu Faden. Wer fiel hatte Pech und bekam slowakischen Hartgummi volles Palett. Man drängte uns zurück in den Block. Einige hatte ordentlich was abbekommen! Selbst DFB Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt leistete später erste Hilfe. Ich hatte meinen Spannemann in dem ganzen Trubel verloren und nachdem sich alles wieder beruhigt hatte, machte ich mich mit mulmigen Gefühl alleine auf zu unserem Kleinbus. Unterwegs traf ich allerdings einige vom Rest des Schützenfest und man gelangte ohne Feindkontakt ans Fahrzeug. Hier hatte aber paar Minuten vorher ein Slowake nen Deutschen den Arsch mit nem Messer aufgeschlitzt, berichtete unser schon dort verweilender Fahrer. Der Übeltäter wurde aber später noch gestellt und bekam es für diese miese Aktion so richtig. Viele zogen jetzt noch in die Stadt zum rumrollen….aber wir waren fertig, besoffen, müde und nicht zu letzt Pleite. Also traten wir den Rückmarsch an. Man trank dabei noch das ein oder andere, schaute sich noch paar Liebesdienerinnen an und gegen 4 oder 5 in der früh fiel man in die Kojen.




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