Chemnitz
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Hamburger SV II : Chemnitzer FC (3:4)

30. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2010/2011
rEdmund-Plambeck-Stadion, Norderstedt
Zuschauer: 403 (davon ca. 150 aus Chemnitz)


Im Suff hat man immer die besten Einfälle. So sagt man. Wenn auch der Alkohol bei vielen dummen Ideen in meinem Leben Regie führte, so konnte man diesmal durchaus die erste These unterschreiben. Es war gegen 3 Uhr früh, mein Kumpel M. und ich saßen als Letzte am Küchentisch bei der Geburtstagsfeier seiner Frau Mama. Und ob ihrs glaubt oder nicht, wir diskutierten nicht die Risiken der Atomenergie als Folge der Reaktor-Katastrophe in Japan, sondern es ging tatsächlich um Fußball. Auf der Tagesordnung, oder besser Nachtordnung, standen die letzten Auswärtsspiele unseres Heißgeliebten Clubs, wo eines davon ja auch in Hamburg stattfinden sollte. Und mit einer gewissen HSV Sympathie im Hinterkopf, fiel unser schon leicht schiefer Blick auf den Bundesligaspielplan. Wenig später war der Plan geschmiedet: Freitag CFC gegen den kleinen Sportverein, und nach Übernachtung noch zum großen Sportverein gegen Freiburg.

Einen Tag später schaute ich mir das Heimspiel gegen Türkiyemspor ganz nobel von der Haupttribüne aus an. Während ich also meinen Arsch in einer Plastiksitzschale rumrutschen ließ, brachte Kumpel M. unser Vorhaben unters Volk. Im Allgemeinen folgt derartigen Aufmarschplänen in der Regel ein wochenlanges Hin- und Her wer denn nun definitiv mit an Bord ist. Der Planungssicherheit zur Freude stand allerdings 90% der Reisgruppe bereits an diesem Nachmittag!

In den folgenden Wochen alles Organisatorische zur Durchführung des Unternehmens geklärt und Freitag, den 29. herbeigewünscht. Als er endlich auf dem Kalenderblatt erschien und die Uhr 10.30 anzeigte, kam der Startschuss! Auf den üblichen Zeitvertreib während unserer siebenstündigen Autobahnbesichtigung kann sich jeder seinen eigenen Reim machen. Prost!



In der Hansestadt angekommen, teilte sich unsere Butterfahrttruppe. Der Hauptteil bezog ein Hostel am Hauptbahnhof, während der Rest seine Unterkunft standesgemäß direkt auf der Reeperbahn hatte. Darunter auch euer werter Erzähler, diesmal sogar mit Einzelsuite. Welch Luxus! Jedoch fehlte der Luxus Zeit! Fix umgezogen, frisch gemacht, zwei Bemmen abgewürgt und husch, husch per S-Bahn raus ins beschauliche Norderstedt, Spielort der HSV Amateure. Die Punktlandung gelang jedoch nicht ganz, bei Betreten des Stadions lief das Spiel schon. Nun folgte eine fünfminütige Gefühlsachterbahn sonders gleichen:


Zur Herabsetzung des Herzinfarktrisikos trug dann allerdings der restliche Verlauf der ersten Halbzeit bei. Durch Treffer von Bankert, Schlosser und Dobry führte Chemnitz zum Pausenpfiff mit 4:1! Einen Treffer der Marke „Abhaun“ musste allerdings auch mein rechtes Bein beklagen. Der Tathergang begann mit diesem enthusiastischen Absaugen schleimiger Körperflüssigkeiten aus der Nasennebenhöhle in Richtung Gaumen. Gefolgt vom Charakteristischen Mündungsfeuergeräusch…soweit recht unproblematisch. Nur leider landete das Weichkerngeschoss direkt an meinem Knöchel! Person N.T. hatte mir doch tatsächlich in die Socken geault! Das elende Assi! Das hätte natürlich sofort ein Bier gemacht! Aber gab ja keins…wäre sicher auch zu gefährlich gewesen den hundert Gästefans an einem Freitag Alkohol auszuschenken. Wer solche Beschränkung im Namen der Sicherheit erlässt, sollte diese Konzeption aber bitte auch bis zu Ende denken. Denn herausnehmbare Gullideckel aus Gusseisen (siehe Bild) im Auswärtsblock, erscheinen mir etwas bedenklicher als paar gemütliche Halbe.



Und als ob diese Zwangsabstinenz der Gesundheit nicht schon genug schaden würde, kam noch diese zweite Hälfte! Wurde das 2:4, per Foulelfer, noch mit einer lässig abwinkenden Hand zur Kenntnis genommen, so hatte sich spätestens nach dem Anschlusstreffer die Coolness auf den Rängen restlos verdünnisiert. Aus locker, lustiger Feierstimmung war wieder mal Belastung pur geworden. In den noch knapp zu spielenden zehn Minuten ging die Pumpe dann wieder äußerst unregelmäßig. Noch zwei Riesenchancen: eine für die, eine für uns. So kann man nicht alt werden! Zumindest lebte ich zum Abpfiff noch und konnte Gott sei Dank einen Auswärtssieg unserer Mannschaft feiern. Puuuhhh, Zunge raus und durchatmen!



Zunge wieder rein und endlich DAS Verdiente abholen. Da Gutes bekanntlich immer ganz nahe liegt, viel die Wahl ratz fatz auf die Stadionkneipe von Eintracht Norderstedt. Zwar wollten wir eigentlich der Reeperbahn einen Besuch abstatten, aber irgendwie tranken und sangen wir uns an dem gemütlichen Tresen irgendwie fest. Den äußerst attraktiven Bardamen schien der Einblick in die sächsische Feierkultur angenehm zu tangieren, was sich durch mehrere Tequila Runde auf Kosten des Hauses hochprozentig äußerte. Das hätte man dort noch eine Weile aushalten können. Allerdings mussten wir irgendwann vor Mitternacht die letzte Bahn nach Hamburg erwischen. Dort angekommen, konnte in einer Schlagerkneipe zur zweiten Runde des Abends geläutet werden. Oberkörper frei, 1 Liter Biergläser, die Tische geentert und volles Rohr zu Wolfgang Petry, Jürgen Markus und Konsorten. Nachdem dort Ausschankschluss verkündet wurde, lichteten sich auch unsere Reihen. Bis auf vier Nimmersatte, wurde vom Großteil die Koje angepeilt.



Wir statteten jedenfalls dem „Silbersack“ noch einen Besuch ab. In einem Fußballforum beschrieb ich den Schuppen vor kurzem mit folgendem Wortlaut:
Wenn wir in Hamburg gespielt haben, waren wir im Silbersack! Einrichtung mit schlicht sehr wohlwollend umschrieben. Hammer ist der Tresen. Einfach paar Tische zusammengeschoben, wo die einzelnen Getränke per Einzelexemplar feil geboten werden. Wie in einer Fleischerei. Mann bestellt und der Wirt holt das Gewünschte ausm Kasten unterm Tisch. Die Sitzpolster aufgeschlitzt. Irgendwo hab ich da auch noch Fotos. Vor paar Jahren hatten sich dort zwei Assis in den Haaren...keiner konnte mehr reden, geschweige denn gerade stehen. Diese Saison nach HSVII waren wir auch dort. Einer ca. siebzig jährigen hatte es meine Brille angetan. Besoffen wie ich war hab ich sie ihr aufgesetzt. Dabei streichelte sie einem Kumpel zärtlich übern Rücken. Als ich mein Nasenfahrrad wieder haben wollte, hat sie doch tatsächlich interveniert! Der Kompromiss war die Nummer meines Optikers...was letztendlich die unseres Ober Zivis wurde. :-)

Nachdem dann auch meine Mitstreiter die weiße Fahne hissten, verblieb nur noch meine Wenigkeit an der Hauptkampflinie. Dabei geriet ich auch noch in nen kleinen Ärger, besuchte kurz ne PunkRockParty und musste mir gar von einer Polizeistreife den Weg zum Hostel erklären lassen. Früh um 5 war dann im Einzelkämpfermodus „Game Over“ angesagt.

Wenige Stunden später stand ich dann offiziell auf der Vermisstenliste. Sämtliche Anrufe und Auskünfte an der Rezeption nach meiner Person blieben ohne jeglichen Erfolg. Irgendwann organisierten die Jungs den Zentralschlüssel und fanden mich stilecht in meinem Bettchen vor. Brille noch auf, Schuhe noch an, und zwei Büchsen Bier in den Seitentaschen meiner Shorts…Schnell bissl Wasser ins Gesicht geworfen, Sachen zusammengesammelt und ab zum Rest, der an einem Imbiss um die Ecke schon zur Katerbekämpfung übergegangen war. Die Puffmutti von nebenan wollte uns zwar mit wilden Sonderangeboten in ihren Strip Schuppen locken, aber wir brachen lieber zur „Tankstelle“ auf…der HSV Kneipe auf dem Kiez. Könntet ihr euch eine Schachtkneipe auf dem Sonnenberg vorstellen? Jedenfalls versprüht der Laden eine gewisse Wohlfühlgarantie und der gegenüberliegende Eingang zur Herbertstraße tat sein übriges. Dort klopfte Person M. an ein Fenster…Fenster geht auf…Frage: „Machst du auch Gruppe?“…Gegenfrage: „Wie viel seid ihr denn?“…Antwort: „Zehn!“…Fenster geht wieder zu! Zum kugeln!



Nach etlichen Getränken und Fotos machten wir dann das zweite Mal zum Ball an diesem Wochenende. War schon mal wieder was in einem großen, vollem Stadion zu sitzen. Der Sportverein spielte allerdings schrecklich und verlor 0:2 gegen Freiburg. Einen Verein den ich, ohne das es spezielle Gründe gibt, einfach zum kotzen finde. Damit war nicht nur die letzte Hoffnung auf Europa im Eimer, sondern auch das Verhältnis zu den eigenen Fans. Die in der Schlussphase jeden Ballkontakt der Gäste lautstark feierten und mit „Oh wie ist das schön…“ Gesängen in blanke Selbstironie verfielen. In der zweiten Halbzeit vertrieb ich mir meine Zeit eh mit einigen anwesenden Engländern. Einige von ihnen schmückten sich sogar mit lustigen Perücken, als Hommage an Kevin Keegan (1977-1980 beim HSV) und seine damalige Prachtmähne. Die zwar nichts im Vergleich zu Paul Breitner war…aber gute Idee und witzige Truppe!



Unsere Heimfahrt war dann jedenfalls noch mal ein i – Punkt auf dieses wunderbare Wochenende. Abermals Suff und Ablacher bis die Tränen kamen. In den beiden Tagen hat irgendwie alles gepasst. Grüße an alle die mit waren. 9+4…unendlich viel Bier! Prima!