Chemnitz
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FC Sachsen Leipzig : Chemnitzer FC (0:1)

20. Spieltag - Regionalliga Nordost - Saison 1996/1997
Alfred-Kunze-Sportpark, Leipzig
Zuschauer: 2.900 (davon ca. 300 aus Chemnitz)

Ein Sonntagsspiel…aber egal. Erstens war ich noch Schüler und Zweitens hatten wir eh grad Winterferien. Per gut gefülltem Zug ging es dann in Richtung Messestadt. Wir waren damals glaube ich zu fünft oder zu sechst unterwegs. Zu viel waren auf jeden Fall die noch nicht geöffneten Bierflaschen unseres zweiten Kasten. Den bunkerten wir dann ganz einfach am Leipziger Hauptbahnhof in nem Schließfach. Die Grünen hatten da auch damals nix gegen. Mit ner Regionalbahn rückte man dann im Leipziger Westen ein. Himmel, Arsch und Zwirn war das ne trostlose Gegend. Allein der Bahnhof in Leutzsch sah aus wie 1945. Alles zerfallen und dreckig....rau, unschön!
Im Kessel wurden wir dann rechter Hand zum Kunze Sportpark geführt. Vorn und neben uns dann auch bissl Wuling mit unseren Aufpassern. Kurz vorm Einlass schnappten sie sich auf einmal einen von uns. Warum wusste keiner, denn er hatte definitiv nix gemacht. Kurze Haare und B-Jacke passten aber scheinbar ins exekutive Beuteschema und weg war er. Im Abführen witzelte er noch das er das Wochenendticket habe. Bei der zunächst vermuteten Personalienüberprüfung bleib es ganz offensichtlich nicht…denn er kam ewig nicht wieder. Na toll! Er hatte nicht nur die Bahnkarte, sondern mit ihm sollte ich ja auch wieder in mein Dorf kommen. Nachfragen bei einzelnen Beamten waren sinnlos…. da sich deren Auskunftsbereitschaft stark in Grenzen hielt. Gut, aber erstmal zum Spiel:
Alex Tetzner schoss den Club Ende der ersten Halbzeit in Führung. Davon gesehen hab ich nur bedingt was. Denn durch die zu flache Steigung der Gästeblockstufen, und die Transparente am Zaun sah man vom Tor gleich null. Man sah Tetzner nur schießen, das Netz wackelte und Jubel brach aus. Als ich mir das Ganze abends bei Sport im Osten anschaute, sah das irgendwie total geil aus. Das ist bei mir übelst hängen geblieben wie die knapp 300 Chemnitzer nach dem Treffer ausrasten und rumtoben.
Nach dem Ende der Begegnung gings dann über Leipzig Hbf wieder Richtung Heimat. Das man aber mit 17 noch andere Prioritäten setzt, als nach nem Auswärtsspiel an einem kalten Wintertag wieder nach Hause zu kommen, bewies unser verbales Drängen am nächsten Halt auszusteigen. Warum? Richtig! Der Kasten Bier verweilte ja noch unvollendet in einem Schließfach. Den Beamten erzählte man wir müssten unbedingt zurück denn wir hätten Geldbörsen mit allen möglichen Ausweispapieren dort eingeschlossen. Genau! Alle 6…und vor allem warum hätten wir das tun sollen? Den Uniformierten wars scheinbar egal und sie ließen uns mitten im Nirgendwo aussteigen. Mit der nächsten Bahn gings dann wieder zurück Richtung vergessener Suppe.
Da war man also, im Feindesland, nur zu sechst. Schal abmachen kam nicht in Frage während unserer Mission „Getränkerückführung“ und man zog den ein oder anderen Blick auf sich. Im Nachhinein betrachtet wäre uns jungen Stiften auf dem Videoüberwachten und gut gefüllten Bahnhof sicher nix passiert. Für uns aber war das damals ne große Sache.
Um unseren Zug nach Chemnitz zu bekommen ließen wir uns natürlich bis zur letzten Minute Zeit. Allerdings wurde 1997 der Leipziger Hauptbahnhof gerade umgebaut und man stand am Abfahrtsgleis vor einer riesigen Grube. Ein Schild teilte uns mit „Zugang zu Gleis 19 über Gleis 8“…also Beine in die Hand! Und als wir völlig außer Atem kurz vorm einsteigen waren, kletterte doch tatsächlich unser verlorener Sohn aus dem Bauloch. Den hatten die Grünen knapp davor aus dem Revier entlassen. Auf der Rückfahrt berichtete er von seiner Odyssee durch Leipzigs Polizeivollzug, wir hatten unser Wochenendticket wieder und jeder noch ne Flasche Bier! Schön wars!