Chemnitz
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FC Erzgebirge Aue : Chemnitzer FC (3:0)

26. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2002/2003
Erzgebirgsstadion, Aue
Zuschauer: 9.750 (davon ca. 2500 aus Chemnitz)

Aus verschiedenen Gründen war ich drei, vier Jahre nicht beim Club gewesen und demzufolge auch nicht auswärts mit am Start. Irgendwie hatten eine Zeit lang andere Interessen eine Rolle gespielt. Zu meiner Schande und mit großem Bedauern muß ich auch zugeben die Aufstiegsspiele gegen Osnabrück nur am Fernseher verfolgt zu haben. Doch der Fußball trat in großen Schritten zurück in mein Leben und was konnte da Günstigeres kommen als ein Spiel im Schacht? Selbst reiseunfreudige Arbeitskollegen und regionale Alkoholkoryphäen kratzten sämtliche Motivationen zusammen für den Auftritt in der verbotenen Stadt. In Aue ließen wir dann ziemlich problemlos die staatliche Zwangsleibgarde hinter uns und marschierten zu dritt den Berg Richtung Stadion hoch, wobei sicherlich Durst die treibende Kraft war. Der Supermarkt rechts hatte aber kurzer Hand gleich dicht gemacht. Über den Parkplatz schlich dann auch schon der erste unblaue Typ mit eingeschlagener Nase und ich hatte die Gewissheit das es eben Sachen gibt die sich nie ändern werden. Wir beschlossen im Klamotten Discount um die Ecke abzuwarten bis der Zugfahrer Mob vorbei geführt wurde. Und siehe da, nach paar Minuten war der Marktleiter wieder bereit Kundschaft zu empfangen und wir konnten unseren trockenen Kehlen Abhilfe verschaffen. Ohne Feindkontakt schlenderten wir gemütlich zu den Kassenhäuschen für den Gästeblock. Etwa zeitgleich kam auch die Chemnitzer C-Fraktion an, welche geschlossen einen Zug später gefahren waren. Ihr Auftritt war als Gedenkfahrt für einen kürzlich verstorbenen Mitstreiter zu verstehe, was auch unschwer am voran geführten Transparent zu erkennen war.
Beim Einlaufen ins Erzgebirgsstadion dann der beeindruckende Anblick was an Himmelblau alles da war. Weit über 2500 Leutchen tummelten sich da im Auswärtsgehege. Auch Top anzusehen: die Choreo zu Spielbeginn. Zwölf riesige Blockfahnen ergaben über den gesamten Gästeanhang „CHEMNITZER FC“. Was die Zaunfahne „Für immer und ewig“ bestens zu vervollständigen wusste. „Mächtig gewaltig!“ würde Benny sagen!
Anpfiff…der Club optisch überlegen und mit guten Angriffsbemühungen. Wir verfolgen gespannt das Spiel. Die Kutte vor uns versucht verzweifelt einen Fangesang nach dem anderen anzustimmen, allerdings ohne Erfolg und langsam nervend. Die Krönung folgt allerdings als er uns unterstellt im falschen Block zu stehen weil wir nicht auf sein Gehammpel eingehen. Für die Frechheit fand er sich dann auch gleich einigen Stufen weiter unten wieder. Wer nicht mitsingt ist ein Schachter, oder wie? Hallo? Vollmeise?
Auf dem Rasen dann die relativ unverdiente Führung für die Hausherren. Und nun wars vorbei mit der Chemnitzer Offensivfröhlichkeit. Der FCE übernahm immer mehr die Kontrolle und Torwart Steffen Süssner bekam bald mehr zu tun als ihm lieb war. Kurz vor der Pause dann das 2:0 für den Schacht. Natürlich Vollscheiße so kurz vor der Halbzeit. In selbiger dann Fan Elfmeterschießen…das gewinnt Chemnitz zumindest!
Zu Beginn des zweiten Durchgangs flattern hunderte Kassenrollen gen Tartanbahn und auf dem Spielfeld bemüht sich der Club verzweifelt um den Anschlusstreffer. Doch die Schachtabwehr steht und nach einer Ecke für Aue war die Sache dann gegessen. Die Chemnitzer kriegen die Murmel nicht weg und bumms 0:3 hinten. Damit natürlich alle Messen gelesen und die Frustration machte sich Luft. Die Anfangs Choreographie begann zu zündeln, genau wie Schals mit lila Farbgebung. Die ersten Leute auf dem Zaun und wenig später auf der Bahn, die Hools versuchten selbiges durch ein Tor. Jetzt kochte der Kessel. Erst nach einer ganzen Weile durfte sich dann aber Team Green wieder Herr der Lage schimpfen.
Beim Hinauslaufen wurde dann die Lage noch mal kurz unübersichtlich. Die Reihen verschwammen und es gab tatsächlich ein kurzes „Friendly Fire“ unter paar Chemnitzern. Was einigen wenigen Schachtern förmlich die Haut rettete.
Die weitere Heimreise verlief, soweit ich mich erinnern kann, ohne nennenswerte Anekdoten. Auf der B169 wurden zwei Chemnitzer Fans angefahren und am McDonalds hatte es wohl auch noch gescherbelt. Aber das erfuhr man erst als man wieder daheim war.
Und am Montag auf Arbeit war klar was kommt. Die ganzen Kollegen aus dem Gebirge, die Spinner die drei mal in ihrem Leben in einem Fußballstadion waren, die fragen müssen wie viel Teams eigentlich in der Liga auf- oder absteigen…diese Typen! Von denen waren die Sprüche natürlich vorprogrammiert. Und meine Phantasie bekam unpazifistische Flügel: mit einem 30er Maulschlüssel kann man nicht nur Schrauben anziehen!!! Aber genug nun. Wie Goethe schon sagte: „Die Hauptsache ist, dass man lernt, sich selbst zu beherrschen“. Auch wenn es manchmal verdammt schwer fällt!